Jetzt auch die Münchner LMU besetzt!
Nach einer Solidaritätskundgebung für die Protestierenden in Östereich besetzten die Studierenden spontan die Münchner Akademie der bildenden Künste.
Zur Zeit beschäftigen sie sich in verschiedenen Arbeitsgruppen mit der weiteren Organisation der Proteste.
Die Besetzer der Akademie der bildenden Künste München und weitere Studierende, haben den größten Hörsaal des Hauptgebäudes der Ludwig-Maximillians-Universität München, das Audimax, besetzt!
Trotz massiver jedoch etwas subtiler Mobilisierung im Vorfeld, wurde kein Widerstand festgestellt.
Seit zwei Wochen halten Studierende in Österreich Hörsäle ihrer Universitäten besetzt und zeigen so unmissverständlich, dass ihre Hochschulen eine Fortsetzung dieser Politik nicht mehr lange
durchhalten werden. Ihre Argumente sind klar, ihr Protest ist friedlich aber beharrlich - und sie haben geschafft, was sie selbst nicht für möglich hielten: Die Österreicher diskutieren wieder über
ihr Bildungssystem!
Sie fragen sich, warum in einer Gesellschaft, in der Bildung die einzige Zukunftschance ist, Bildungsmöglichkeiten nicht ausgebaut und gestützt, sondern durch Zulassungsbegrenzungen und finanzielle
Hürden eingeschränkt werden. Warum Bildung nicht mehr Gemeinschaftsaufgabe ist, wenn es doch der Gemeinschaft am meisten nützt.
Und sie fragen sich, ob nicht die Studierenden Recht haben, wenn Sie fordern, dass Bildung wieder ein zentrales gesellschaftliches Anliegen sein muss.
Die Studierenden in Österreich verdienen schon allein dafür unsere Unterstützung, dass sie die Bildungsdebatte in ihrem Land wieder angestoßen haben. Und sie verdienen unsere Unterstützung, denn
ihre Forderungen sind genauso auch unsere Forderungen! Viel zu lange haben die Mitglieder des Bildungssystems ihre Probleme nebeneinander her getragen. Wir müssen unser Anliegen gemeinsam
vorbringen und zeigen, dass auch in Deutschland Bildung wieder ganz oben auf die politische Agenda gehört!
Jetzt beginnt der Protest auch in München: In der Akademie der bildenden Künste.
Die Forderungen:
* Eine Schule für Alle - Weg mit dem mehrgliedrigen Schulsystem
* Kostenlose Bildung für Alle
* Mehr Lehrer_innen, kleinere Klassen
* Beendet den Einfluss der Wirtschaft auf die Schulen!
* Gegen Schulzeitverkürzung! Wie dem G8-Abitur!
* Schluss mit Repressionen gegen Schüler und Schülerinnen
* Für eine Demokratisierung des Bildungssystems!
www.schulaction.org
Forderungen der Studierenden zum Bildungsstreik 2009
Weltweit ist Bildung im Wandel: Das humanistische Ideal einer zur kritischen Reflexion befähigenden, gemeinwohlorientierten Bildung wird zurückgedrängt. Stattdessen wird Bildung den Bedürfnissen
des Marktes angepasst und damit selbst mehr und mehr zur Ware. Global sind es die GATS-Verträge, in Europa der Bologna-Prozess, die den Kern solcher Reformen bilden. Doch weltweit regt sich
Widerstand. In diesem Zusammenhang steht der bundesweite Bildungsstreik vom 15. bis 19. Juni 2009.
Deshalb fordern wir:
Soziale Öffnung der Hochschulen
* den Abbau von Zulassungsbeschränkungen durch den Ausbau von Studienplätzen!
* die Abschaffung von Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung!
* die finanzielle Unabhängigkeit der Studierenden - ohne Kredite!
* die Abschaffung jeglicher Diskriminierung, auch in ihrer institutionalisierten Form gegenüber ausländischen Studierenden!
Abschaffung von Bachelor/Master in der derzeitigen Form
* die Abkehr vom Bachelor als Regelabschluss!
* das Ende von Verschulung, Regelstudienzeit und Dauerüberprüfung!
* die Möglichkeit individueller Schwerpunktsetzung im Studium!
* die tatsächliche Umsetzung der Mobilität zwischen den Hochschulen!
Demokratisierung des Bildungssystems
* den Abbau von wirtschaftlichen Zwängen im Bildungsbereich!
* die Mitbestimmung aller Beteiligten im Bildungssystem, u.a. durch Viertelparität in den Hochschulgremien!
* die Einführung verfasster Studierendenschaften mit politischem Mandat in allen Bundesländern!
Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen
* die Umsetzung freier alternativer Bildungskonzepte!
* die Beendigung prekärer Beschäftigungsverhältnisse im Bildungsbereich!
* die Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau! Dazu sind in den nächsten drei Jahren mindestens 8.000 Professuren, 4.000 Mittelbaustellen und 10.000
Tutor_innenstellen neu zu schaffen!
* die Förderung aller Studierenden statt einseitiger Elitenbildung!
* die Einheit von Forschung und Lehre statt der Exzellenzinitiative!
Diese Forderungen werden von vielen Menschen geteilt, weil sie uns der Verwirklichung des Menschenrechts auf Bildung näher bringen. Für eine tatsächliche Demokratie ist unsere Forderung nach einem
frei zugänglichen, öffentlich finanzierten und emanzipatorisch ausgerichteten Bildungssystem unerlässlich. Derzeit geht es durch die Ökonomisierung der Bildung in eine andere Richtung: Die
Hochschulen sind zunehmend abhängig von der Wirtschaft, ihre Funktion in der Gesellschaft hat sich gewandelt. Das ist kein Zufall! Bildung wird den Gesetzen des Marktes unterworfen; Konkurrenz
reproduziert soziale Ungleichheit und Verwertungslogik. Um unsere Forderungen durchzusetzen bedarf es daher letztlich gesamtgesellschaftlicher Veränderung.
Weiter Info´s unter:
www.bildungsstreik-muenchen.de
www.unsereunibrennt.de